Of things baroque
KV Leipzig

Künstliche Paradiese

Temporäre Installation 2021

KV — Verein für Zeitgenössische Kunst Leipzig e.V.

mit den Künstler*innen Katharina Schilling + Bastian Muhr

 

Fotos: Christian Doeller / KV Leipzig

Künstliche Paradiese

In Anlehnung an den barocken Lustgarten wurde eine Installation auf dem Dorotheenplatz geschaffen. Zehn mediterrane Palmen und Oleandersträuche stellen den Bezug zur barocken Orangerie, die es auch einst in Apels Garten gab, her. Bevor die Orangerien baulich manifestiert wurden, stellten sie Sammlungen immergrüner und blühender Gewächse – zunächst des Mittelmeerraumes, später auch anderer südlicher Länder – dar. Sie waren Orte der inszenierten Verschränkung von Natur und Kunst und fungierten für gesellschaftliche Veranstaltungen, Repräsentation, naturwissenschaftliche Forschung und philosophische Kontemplation. 

 

Der bürgerliche Barockgarten als Lustgarten

In Leipzig zogen sich im 18. Jahrhundert zahlreiche prächtige Barockgärten entlang der früheren Stadtmauer. Da Leipzig keine Residenzstadt war, waren die Leipziger Gärten, anders als barocke Residenzanlagen, wie etwa die Gartenanlage von Versailles, nicht vom Adel, sondern vom Bürgertum initiiert. Von den rund 30 Gärten zeugen heute nurmehr Straßen- und Platznamen. In Folge der Stadtgebietserweiterung wichen die Gärten zugunsten von Wohnraum. Das Kolonnadenviertel wurde im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört, dessen Wiederaufbau verzögerte sich bis in die 1980er Jahre. Unter den Vorzeichen der Postmoderne ließen die Architekt*innen die barocke Geschichte des Viertels in ihre städtebaulichen und freiraumplanerischen Entwürfe einfließen – der symmetrische, fächerförmige Stadtgrundriss, die eingehegten Grünflächen mit den beschnittenen Bäumen und das Wiederaufstellen der Permoserfiguren auf dem Dorotheenplatz sind neo-barocke Gestaltungselemente.